Die DÄGfA trauert um Oskar Mastalier

Die DÄGfA trauert um Oskar Mastalier (22.8.1924 – 10.07.2022)

Ein Nachruf

Am Sonntag, den 10.7.22 ist Dr. med. dent. Oskar Mastalier friedlich eingeschlafen. Er wäre am 22. August 98 Jahre alt geworden. Nach dem Tode seiner liebsten Ehefrau Helga im Juni letzten Jahres, mit der über 70 Jahre verheiratet war, hat er sich nicht mehr erholt. Oskar Mastalier war ein ganz Großer der Akupunktur. Er war der einzige
DÄGfA-Dozent, der den DÄGfA Gründungsvater Gerhard Bachmann noch persönlich kannte. Oskar war eine tragende Säule der DÄGfA über viele Jahrzehnte. Er hat uns dabei nicht nur die Akupunktur gelehrt, sondern er hat uns und viele andere Menschen mit seinen vielfältigen Künsten mal launisch, mal nachdenklich unterhalten. Oskar Mastalier hinterlässt eine große Lücke in der DÄGfA Gemeinschaft.

Wir drücken den Angehörigen unser herzliches Beileid aus.

Oskar Mastalier wurde am 22.08.1924 in Proßnitz geboren, einer Stadt, die in der Region Nordmähren liegt. Zeit seines Lebens pflegte er den Bezug zu seiner Heimat, privat aber auch beruflich. So wurde er lange nach seiner Übersiedlung in den Westen für seine Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft der Tschechischen und der Slowakischen Akupunkturgesellschaft ausgezeichnet. In Jugendjahren absolvierte er eine Konservatoriumsausbildung zum Konzertpianisten und Kirchenorganisten. Der Krieg unterbrach sein Medizinstudium. So war er in den letzten Kriegsmonaten als Sanitäter im Einsatz, als Flüchtling verdiente er sich später sein Medizinstudium in Würzburg selbst. 1951 absolvierte sein Staatsexamen und seine Promotion. Als junger Zahnarzt war er an der Kieferklinik der Universität Würzburg tätig und als Unfallchirurg am Krankenhaus Schweinfurt, wo er dann auch eine Privatpraxis für Reflex- und Regulationstherapien führte. Seit der krankheitsbedingten Praxisabgabe im Jahr 1992 lebte Mastalier mit seiner Ehefrau in seiner Wahlheimat Oberaudorf.

Mit Beginn seiner medizinischen Laufbahn beschäftigte sich Oskar Mastalier mit der Herdtherapie, der Elektroakupunktur nach Voll, der Neural- und Reflextherapie, der Homöopathie, der Laser- und Magnetfeldtherapie, sowie der Schmerztherapie. Besondere Kenntnisse konnte er als langjähriger Schüler von Paul Nogier in der Aurikulomedizin gewinnen. Natürlich kannte er all die Großen der Akupunktur zu jener Zeit: Bischko, Voll, Bourdiol, Van Nghi, Schmidt, Kampik, König, Gleditsch, Wancura, u.v.a.. In den frühen 80er Jahren begann er wissenschaftlich zu arbeiten und er führte zahlreiche klinische Studien durch u.a. in Beijing und Shanghai.

Seine besondere Fähigkeit akribisch zu arbeiten zeigte sich in 190 Publikationen und vier Lehrbüchern im Bereich der Akupunktur, Aurikulomedizin und Reflextherapie. Ab 1975 begann er dann ein immenses Lehrwerk, welches ihn an die wichtigsten Universitäten und (Zahn-) Ärztekammern brachte und später zunehmend für seinen internationalen Bekanntheitsgrad sorgte. Insbesondere im ärztlichen Akupunktur-Weltverband, der ICMART, war Oskar regelmäßiger Referent und noch mehr. Er war eine Institution des ICMART und pflegte persönliche Freundschaften über den gesamten Globus. Dabei war er immer besonderes um die Kollegen aus der ehemaligen Heimat bemüht. Wenn Hilfe gebraucht wurde, organisierte er diese. So erhielt Oskar Mastalier 2003 das Bundesverdienstkreuz für sein soziales Engagement, er hatte es wirklich verdient!

Die Liste seiner beruflichen Auszeichnungen ist lang. Dazu gehören unter anderem die Ehrennadel Deutscher Zahnärzte, zahlreiche internationale Kongressmedaillen und weitere Ehrenmitgliedschaften in den verschiedensten nationalen und internationalen Ärztegesellschaften u.a. in Lettland, Israel und der Türkei. Damit nicht genug. Oskar war das was man ein Universalgenie nannte. Zu seiner großen Allgemeinbildung kam ein unbändiges kreativ- künstlerisches Element. Er malte, zeichnete Karikaturen, verfasste Gedichte und ganz besonders intensiv pflegte er das Orgel- und Klavierspiel. Und er hatte immer einen Schalk im Nacken sitzen.

Lieber Oskar,
Du hast uns und der DÄGfA sehr viel gegeben: Spaß und Frohsinn, Kultur und die Akupunktur in Deinen besonderen Facetten. Dafür danken wir Dir.

 

Ruhe in Frieden!

 

Prof. Dr. med. Dominik Irnich
1. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V.

 

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