Du betrachtest gerade Bericht vom Symposium Trauma und Embodiment – Körperzentrierte Ansätze in der modernen Psychotherapie
Die Referenten (v.l.n.r.) Sabine Schierl, Dr. med. Daniel Drebinger, Dr. med. Sarah Eisenhardt, PD Dr. med. Richard Musil, Dipl. Psych. Leonard Schrenker , Dr. biol. hum. Robert Schleip, Dr. Nicole Szesny-Mahlau,  Dr. med. Jürgen Schottdorf

Bericht vom Symposium Trauma und Embodiment – Körperzentrierte Ansätze in der modernen Psychotherapie

Samstag, 14.03.2026
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums der LMU München

Die Referenten (v.l.n.r.) Sabine Schierl, Dr. med. Daniel Drebinger, Dr. med. Sarah Eisenhardt, PD Dr. med. Richard Musil, Dipl. Psych. Leonard Schrenker , Dr. biol. hum. Robert Schleip, Dr. Nicole Szesny-Mahlau,  Dr. med. Jürgen Schottdorf. Es fehlt: Lara M. Vucemilovic
Die Referenten (v.l.n.r.) Sabine Schierl, Dr. med. Daniel Drebinger, Dr. med. Sarah Eisenhardt, PD Dr. med. Richard Musil, Dipl. Psych. Leonard Schrenker , Dr. biol. hum. Robert Schleip, Dr. Nicole Szesny-Mahlau,  Dr. med. Jürgen Schottdorf. Es fehlt: Lara M. Vucemilovic

In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis von Trauma grundlegend gewandelt. Während traumatische Erfahrungen lange vor allem als kognitive oder emotionale Erinnerungen betrachtet wurden, zeigt die aktuelle Forschung zunehmend, dass Trauma im gesamten Organismus gespeichert ist. Traumatische Erlebnisse beeinflussen nicht nur Denken und Fühlen, sondern prägen auch körperliche Prozesse – etwa Atmung, Haltung, Spannungsmuster und Bewegungsabläufe.

Zahlreiche Studien belegen, dass insbesondere frühkindliche Traumatisierungen das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöhen. Moderne traumatherapeutische Ansätze tragen diesen Erkenntnissen Rechnung, indem sie neben kognitiven Methoden verstärkt körperorientierte Verfahren integrieren. Diese ermöglichen Erfahrungen jenseits der Sprache und eröffnen Zugänge zu tieferen Ebenen des Erlebens sowie zu inneren Ressourcen.

Vor diesem Hintergrund widmete sich das 4. DÄGfA-Symposium Akupunktur, Psychiatrie und Psychosomatik dem Thema „Trauma und Embodiment“. Ziel der Tagung war es, die Schnittstellen zwischen moderner Traumaforschung, körperorientierter Psychotherapie und traditionellen Heilverfahren wie der Akupunktur zu beleuchten. Es entstand ein interdisziplinärer Dialog, der neurobiologische Erkenntnisse, klinische Erfahrung und traditionelle medizinische Perspektiven miteinander verband.

Einblicke in aktuelle Forschung und therapeutische Ansätze
Nach der Begrüßung durch Sabine Schierl (1. Vorsitzende und Leiterin des Fortbildungszentrums DÄGfA, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin) und Priv.-Doz. Dr. med. Richard Musil (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Oberberg Fachklinik Bad Tölz, Stammdozent der DÄGfA) eröffnete Dr. Nicole Szesny-Mahlau (Psychologische Psychotherapeutin) das Symposium mit einem Überblick über den aktuellen Stand der Traumatherapie. Ihr Vortrag verdeutlichte die dynamische Weiterentwicklung des Fachgebiets und die wachsende Bedeutung körperbezogener Interventionen in der Behandlung traumatisierter Menschen.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Zusammenspiel von Körper, Emotion und vegetativem Nervensystem. Dr. biol. hum. Robert Schleip (Diplompsychologe, Feldenkrais-Lehrer, Rolfer, Forschungsprofessor im kooperativen Projekt „Fascia Research Group“ der TU München und der Universität Ulm) stellte das neurofasziale Netzwerk vor und erläuterte die Rolle der Faszien als verbindendes System zwischen Bewegung, emotionalem Erleben und Stressregulation.

Dr. med. Sarah Eisenhardt (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Akupunktur, Stammdozentin der DÄGfA) beleuchtete Trauma aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und zeigte auf, wie Akupunktur in diesem Kontext therapeutisch eingesetzt werden kann. Dabei wurde deutlich, dass traditionelle Konzepte und moderne neurobiologische Erkenntnisse zunehmend miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Dr. med. Sarah Eisenhardt und Dr. med. Jürgen Schottdorf

Dr. med. Jürgen Schottdorf (Facharzt für Allgemeinmedizin, Entwickler der expositionsbasierten Traumatherapie mit Akupunktur [EX.TRACT] für Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeut*innen) berichtete über praktische Erfahrungen mit der Kombination von Expositionstherapie und Akupunktur. Priv.-Doz. Dr. med. Richard Musil ergänzte dies durch einen Überblick über die aktuelle Studienlage zur Akupunktur bei traumabedingten Beschwerden.

Einen ressourcenorientierten Zugang stellte Dr. med. Daniel Drebinger (Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin) vor. Er präsentierte Ansätze der körperorientierten Traumatherapie, die Qi Gong mit ich-stärkender Trance verbinden und so sowohl körperliche Regulation als auch psychische Stabilisierung fördern.

Am Nachmittag rückten entwicklungspsychologische Perspektiven in den Mittelpunkt. Dipl.-Psych. Leonard Schrenker (international zertifizierter Supervisor und Trainer für Pesso-Therapie [PBSP]) erläuterte frühkindliche Traumatisierung aus Sicht der Pesso-Therapie, die mit körperlich-symbolischen Erfahrungen arbeitet, um korrigierende emotionale Erfahrungen zu ermöglichen. Ergänzend stellte Lara M. Vucemilovic (M.Sc. Klinische Psychologie und Psychotherapie) Konzepte der Integrativen Körperpsychotherapie vor, die unterschiedliche körperpsychotherapeutische Traditionen verbindet.

Praxis und Austausch im Mittelpunkt
Ein zentrales Anliegen des Symposiums war es, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung zu verknüpfen. In den Workshops konnten die Teilnehmenden die vorgestellten Methoden in kleineren Gruppen vertiefen und unmittelbar erproben.

Das Workshop-Programm umfasste unter anderem:

Traumatherapie mit Exposition und Akupunktur – auch für Psychotherapeut*innen
Selbstmassagen aus dem Qi Gong sowie Trancen zur Stärkung des Selbst
NADA-Protokoll – Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten und Selbsterfahrung
Praktische Einführung in die Pesso-Therapie
Diese praxisorientierten Formate boten Raum für kollegialen Austausch, gemeinsames Lernen und das direkte Erleben körperorientierter Interventionen.

Interdisziplinärer Dialog für eine ganzheitliche Traumatherapie
Das Symposium zeigte eindrucksvoll, wie fruchtbar die Verbindung unterschiedlicher therapeutischer Perspektiven sein kann. Die Integration von Embodiment-Ansätzen, Traumaforschung und Akupunktur eröffnet neue Möglichkeiten für eine ganzheitliche und wissenschaftlich fundierte Unterstützung traumatisierter Menschen.

Neben den fachlichen Impulsen stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt der Tagung. Lebendige Diskussionen und die Begegnung verschiedener Disziplinen machten das Symposium zu einer inspirierenden Plattform für klinische und wissenschaftliche Zusammenarbeit.

Wir bedanken uns bei allen Referent*innen und Teilnehmenden für die engagierten Beiträge und freuen uns auf die Fortsetzung dieses interdisziplinären Dialogs bei zukünftigen Veranstaltungen.